Die Bretagne
Wild und geheimnisvoll geblieben, verführt die Bretagne durch ihren Reichtum: ihre geschützten Häfen und winzigen Inseln, die vom Wind gezeichneten Landschaften und ihre berühmten rätselhaften Menhire üben eine unbestreitbare Faszination aus.
7/18/20257 min lesen
Die Bretagne – ein Teil der Französischen Republik und zugleich eine eigene Nation. Wild und geheimnisvoll geblieben, verführt sie durch ihren Reichtum, ihre Geschichte und ihre zerklüfteten, prachtvollen Küsten ebenso wie durch ihre wechselhaften und vielfältigen Landschaften, die mal an tropische Wärme, mal an die raue Kraft des Ozeans erinnern.
In dieser gelungenen Dokumentation laden uns die Reiseführer zu einer wundervollen Reise entlang der bretonischen Küsten ein – vom Golf von Morbihan bis zur Granitküste –, wo wir Menschen begegnen, die bis heute die bretonische Identität lebendig halten.
Ausgangspunkt des Abenteuers ist die Insel Houat (siehe Karte unten), ein friedlicher Felsen nahe der Halbinsel Quiberon, jener ehemaligen Insel, die wie eine felsige Landzunge ins Meer hinausragt und über einen Sandstreifen mit dem Festland verbunden ist. Viele Strände von Houat wirken heute völlig einsam. Doch das war nicht immer so: Die abgelegene Insel war lange ein begehrtes Ziel, unter anderem von Holländern und Engländern, die sie wiederholt plünderten, bis sie während der Napoleonischen Kriege schließlich zur Ruhe kam.
Von dort führt die Entdeckungsreise weiter nach Vannes am Golf von Morbihan, einem echten, von Inseln durchzogenen Binnenmeer. Strategisch im Herzen der Südbretagne gelegen, wurde Vannes bereits Ende des 1. Jahrhunderts unter römischer Verwaltung zu einem politischen und religiösen Zentrum. Grafen und Bischöfe spielten eine Schlüsselrolle im Gleichgewicht zwischen dem Herzogtum Bretagne und dem französischen Königreich. Später wurde Vannes zur ersten Hauptstadt des bretonischen Staates.
Doch Vannes und seine Umgebung sind weit mehr als nur Geschichte. Während der „Woche des Golfs von Morbihan“ versammelt sich hier alles, was die Welt der Segelschifffahrt zu bieten hat. Wer möchte, kann an einer außergewöhnlichen Rundfahrt teilnehmen und an Bord eines der zahlreichen Schiffe gehen, die jedes Jahr das abwechslungsreiche Binnenmeer durchqueren – eine ideale Gelegenheit, an den Inseln anzulegen und ihre Vielfalt zu entdecken. Die größte und bekannteste von ihnen ist die Île-aux-Moines.
Südlich des Golfs liegt die Halbinsel Rhuys, die durch ihre sechs Burgen Berühmtheit erlangte. Allen voran die beeindruckende Wasserburg von Suscinio, Residenz der Herzöge der Bretagne vom 13. bis zum 15. Jahrhundert, die später von Herzog Franz II. zugunsten von Nantes aufgegeben wurde.
Weiter geht es nordwärts, durch einen Irrgarten aus Inseln und an verschlungenen Abers vorbei – schmalen, tief eingeschnittenen Meeresarmen, besonders im Nordwesten –, bis nach Auray am nördlichsten Ende des Golfs. Seinen Wohlstand verdankt die Stadt dem Fischerei- und Handelshafen Saint-Goustan.
Der nächste Abschnitt führt entlang der Küste der Bucht von Quiberon: über Carnac, Heimat der berühmten Menhire und des bretonischen Heideland-Schafs, über die Anse du Pô, bekannt für ihre Austern, und über Portivy mit dem Fort de Penthièvre, das heute als Ausbildungslager für Marinekommandos dient, auf die Halbinsel Quiberon, von der aus Fähren nach Belle-Île oder Houat ablegen.
Belle-Île-en-Mer, Vorzeigeinsel der bretonischen Küste, verbirgt ihre Schätze nur eine Stunde vom Festland entfernt. Claude Monet, Aushängeschild des Impressionismus, und andere Künstler fanden hier in der sanft hügeligen Landschaft, an weichen Stränden und zerklüfteten Felsküsten reiche Inspiration.
Weiter westlich öffnet sich bei Lorient eine Küste, an der Natur und Geschichte eng verwoben sind. In Port-Louis ragt die mächtige Zitadelle empor, Zeugnis der Ostindienkompanie und später Schauplatz der deutschen Besatzung. Lorient selbst, im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, hat sich neu erfunden. Die U-Boot-Basis von Kéroman steht als Mahnmal des Krieges und beherbergt heute die Cité de la Voile Éric Tabarly – ein lebendiges Zentrum des Hochseesegelns.
Nächstes Ziel ist Concarneau mit seiner befestigten Altstadt, der Ville Close, einer historischen Inselstadt mit mittelalterlichen Wurzeln und bis heute aktivem Hafen.
Schöne Aufnahmen führen uns dann entlang des Flusses Goyen und zeigen, wie das Meer in der Bretagne tief ins Landesinnere vordringt. Bevor es zur Pointe du Raz geht, machen wir Halt in Pont-l’Abbé im Herzen des Pays Bigouden. Dort lebt die Tradition fort: Das Fest der Stickerinnen feiert bretonische Trachten, Handwerkskunst und Musik und zählt zu den ältesten Volksfesten Frankreichs.
Bald erscheint die Pointe du Raz, einer der Höhepunkte der Reise. Von den Klippen des Cap Sizun eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die Iroise-See – hier erreichen wir den äußersten Westen. Die Statue der „Notre-Dame des Naufragés“ (Unserer Lieben Frau der Schiffbrüchigen) ehrt die auf See verschollenen Seeleute. Im Hintergrund erhebt sich die Île de Sein, die letzte Bastion vor dem Atlantik.
Der nächste Halt ist der Ménez Hom im Gebirgszug der Schwarzen Berge. Vom 330 Meter hohen Gipfel schweift der Blick über das Aulne-Tal und die Halbinsel Crozon mit ihren zerklüfteten Klippen. Camaret-sur-Mer war einst ein bedeutender Zufluchtshafen und lebte lange vom Sardinenfang. An der Pointe des Espagnols erinnern militärische Überreste an die strategische Bedeutung der Region vom 16. Jahrhundert bis zur Zeit Napoleons.
Folgt man der Küste weiter, erreicht man das abgeschiedene Dorf Landévennec nahe der Mündung der Aulne. Die Kirche Notre-Dame blickt über eine herrliche Bucht. Schon im 5. Jahrhundert zog diese Ruhe Mönche an; heute lebt nahe den Ruinen wieder eine Benediktinergemeinschaft. Das milde Klima begünstigt eine üppige Vegetation. Auf der Halbinsel Plougastel erinnern ein monumentaler Kalvarienberg und mehrere Kapellen an den tief verwurzelten Glauben der Region.
Nächster Halt ist Brest. Nach der fast vollständigen Zerstörung 1944 hat die Stadt ihren maritimen Charakter neu definiert. Moderne Anlagen entlang des Cours Dajot prägen das Bild, während das Schloss als einziges großes historisches Bauwerk erhalten blieb. Die von Vauban verstärkte Festung spiegelt die wechselvolle Geschichte wider. Kapuziner-Plateau und Rue Saint-Malo verbinden Vergangenheit und Gegenwart.
An der Pointe Saint-Mathieu teilen sich die Ruinen einer Abtei die Klippen mit Leuchtturm und Signalturm. Legenden um die Reliquien des heiligen Matthäus ranken sich um diesen Ort. Benediktinermönche prägten hier bis zur Französischen Revolution das religiöse Leben. In Plougonvelin erinnert das Fort de Bertheaume an die militärische Sicherung der Reede von Brest.
Weiter nördlich verlocken die Strände von Le Conquet Besucher und Surfer gleichermaßen. Vom Hafen gelangt man zu den Molène-Inseln, einem Archipel mit nur wenigen Einwohnern. Einige Inseln waren landwirtschaftlich genutzt, andere blieben unbewohnt. Die Insel Balanec ist ein wichtiger Lebensraum für Kegelrobben; in den Gewässern leben auch Delfine. Der nachhaltig geerntete Seetang wird in Lanildut, dem größten Tanghafen Europas, umgeschlagen.
Die Kapelle von Saint Samson eröffnet die „Küste der Legenden“ und führt ins Land der Abers – jener tief ins Landesinnere reichenden Flussmündungen mit ständig wechselnden Landschaften. Roscoff entwickelte sich dank seines Tiefwasserhafens zu einem bedeutenden Handelszentrum und wurde Ausgangspunkt des Kabeljaufangs und des Salzhandels.
Nur wenige Kilometer vor Roscoff bewahrt die Insel Batz ihre Ursprünglichkeit. Zwischen Felsen und weißen Sandbuchten prägen starke Gezeiten das Bild. Dank eines milden Mikroklimas gedeihen hier Gemüse und Pflanzen früher als auf dem Festland. Berühmt ist die frühreifende Batz-Kartoffel, deren Qualität auch dem Golfstrom zugeschrieben wird.
Auf dem Festland bestimmen im Sommer die Artischockenfelder von Saint-Pol-de-Léon die Landschaft. Weiter nördlich wurde Perros-Guirec im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Badeort. Vor der Küste gehen Fischer täglich auf Hummerfang. Die rosafarbenen Granitfelsen von Ploumanach tauchen die Küste in poetisches Licht, während Steinbrüche und die Kirche Notre-Dame de la Clarté von der langen Nutzung des Gesteins zeugen.
Noch weiter östlich belebt rund um die Île de Bréhat reger Bootsverkehr die Gewässer. In Paimpol erinnert die Abtei von Beauport an die Blüte des Mittelalters. Mit dem Cap Fréhel erhebt sich ein spektakuläres Naturdenkmal aus Heide und Ginster.
Von dort führen die Landschaften an die Smaragdküste, wo Dinard sich zum eleganten Badeort mit britischem Flair entwickelte und dessen Belle-Époque-Glanz bis heute spürbar ist.
Dinan thront über dem Ästuar der Rance und bewahrt mit seinem Mauerring das mittelalterliche Erbe der bretonischen Herzöge. An der Mündung schließlich erhebt sich Saint-Malo – Stadt der Korsaren, Entdecker und Fernhändler.
Mit dem Blick auf seine Stadtmauern und den Solidor-Turm endet die Reise durch eine Bretagne von rauer, mineralischer Schönheit – geprägt von Meer, Geschichte und lebendiger Tradition.
Zur Dokumentation auf YouTube: "Le Pays préféré des Français"
Bretagne, sauvage et mystérieuse - Documentaire Voyage en France - Horizons - AMP
© ANANDA - AMPERSAND; GEFUNDEN AUF DEM KANAL "Le Pays préféré des Français"
Bilder






Place de la Mairie (Rathausplatz), auf dessen Mitte das "Monument aux morts" prangT.
Notre-Dame des Naufragés (Unsere Liebe Frau der Schiffbrüchigen) ehrt die auf See verschollenen Seeleute.
direkt dem Atlantik zugewandte Wasserburg von Suscinio auf der rhuys-halbinsel.
Unten finden Sie Bilder des schönen Dokus. © ANANDA - AMPERSAND.


Vorzeigeinsel der bretonischen Küste, verbirgt Belle-Île-en-Mer ihre Schätze nur eine Stunde vom Festland entfernt.


Die Reihen aus Menhiren weisen den Weg zu einem als heilig geltenden Ort: den umfriedeten Bereichen.


die mythische Pointe du Raz eröffnet einen atembraubenden anblick auf die iroise-see.




Saint-Malo, Wahrzeichen der bretonischen küste, stadt der korsaren.
Die Kapelle von Saint Samson markiert den Eingang zur „Küste der Legenden“.
Das Dorf Landévennec nahe der mündung der aulne , gelegen fern von jedem Trubel.



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