Die Bretagne - Île d'Houat
Die kleine Insel Houat, ein Felsenjuwel nahe der Bucht von Quiberon, ist ein Ort der Stille, fernab der Hektik der Großstadt. Umgeben von Granitfelsen, Sandstränden und unberührtem Heideland, zieht sie Naturliebhaber und Freizeitskipper gleichermaßen an.
7/18/20256 min lesen
Heute erfahren wir gemeinsam mehr über Houat, eine winzige Insel, kaum fünf Kilometer lang und etwas mehr als einen Kilometer breit. Im Sonnenlicht glitzern rings um Houat kleine Felseninseln wie verstreute Juwelen im Meer. Houat erweckt den Eindruck, als sei sie seit jeher ein geschützter Felsen mitten im Ozean, ein sicherer Hafen gewesen. Doch ihre stille Erscheinung kann täuschen, denn über Jahrhunderte hinweg blieb die Insel ein begehrtes Ziel für Angreifer: Immer wieder wurde sie von englischen und niederländischen Flotten überfallen und geplündert. Erst während der napoleonischen Kriege brachte ihr Status als neutraler Hafen eine längere Phase der Ruhe.
Nahe der Bucht von Quiberon gelegen, zwischen der Insel Hoëdic und der Halbinsel Quiberon, ist Houat heute eine Oase der Stille – ein Ort, der sowohl von Surfern als auch von Wanderern und Urlaubern geschätzt wird, die fern der lärmigen Straßen der Großstadt eine Auszeit suchen. Wirft man einen Blick auf die Karte, könnte man meinen, Houat sei eine Verlängerung der Halbinsel Quiberon. Dieser Eindruck ist nicht völlig falsch: Die Halbinsel Quiberon sowie die Inseln Houat und Hoëdic sind Teile eines gemeinsamen geologischen Rückens, der sich entlang einer südost-nordwestlich verlaufenden Achse erstreckt. Diese Struktur geht auf das sehr alte hercynische (variszische) Grundgebirge zurück, das vor etwa 360 Millionen Jahren entstand und die Topographie der Region bis heute prägt. Wahrscheinlich gehörten diese Landformen einst zu einem größeren Landmassiv und waren mit dem Festland verbunden; in vorgeschichtlicher Zeit bildeten Houat und Hoëdic sogar eine einzige Insel, die erst durch den Anstieg des Meeresspiegels getrennt wurde.
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Heute konzentriert sich das Inselleben auf das gleichnamige Dorf Houat im Nordosten der Insel, das sich malerisch um den kleinen Hafen und den zentralen Platz schmiegt. Schon beim Betreten des Dorfes fällt der Blick auf die Kirche Saint-Gildas, deren Turm stolz und weithin sichtbar über die niedrigen Häuser hinausragt. Vor ihr liegt der Kirchenplatz – ein schlichter, aber bedeutungsvoller Ort für die Bewohner von Houat, der Ruhe und Beständigkeit ausstrahlt. Neben der Kirche erinnert das Monument aux morts an jene Inselbewohner, die in den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts ihr Leben verloren. Dieser Platz bildet das geistige und historische Zentrum der Insel.
Saint Gildas (franz. Saint Gildas, lat. Gildas Sapiens) war ein keltischer Mönch und einer der frühesten christlichen Autoren Britanniens, der vermutlich im 6. Jahrhundert lebte. Er wurde in Schottland oder Wales geboren und erhielt eine klösterliche Ausbildung, bevor er als Missionar in die keltischen Gebiete Britanniens und schließlich nach Armorica (dem heutigen Bretagne) zog. Dort gründete er das Kloster von Rhuys auf der Halbinsel Rhuys, das zu einem wichtigen geistlichen Zentrum wurde. Gildas lebte als strenger Asket und predigte gegen moralischen Verfall sowie politische Korruption seiner Zeit. Bekannt wurde er auch durch sein Werk De excidio et conquestu Britanniae, in dem er in eindringlichen Worten den Niedergang Britanniens nach dem Rückzug der Römer beschreibt und die Herrscher seiner Zeit scharf kritisiert. Nach seinem Tod wurde er als Heiliger verehrt, besonders in der Bretagne, wo zahlreiche Kirchen – darunter auch die Kirche auf Houat – seinem Namen gewidmet sind.
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die Passage des Sœurs, die Meerenge zwischen Houat und Hoëdic
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Besonders am westlichen Ende der Insel setzt sich diese geologische Linie in einem granitischen Felsrücken fort, der als „Chaussée du Beniguet“ bekannt ist. Diese Felsbank, die durch einen schmalen Meeresarm von Houat getrennt ist, erstreckt sich in Richtung der Halbinsel Quiberon und wird von ihr durch die Meerenge der Teignouse getrennt. In diesem Gebiet ragen zudem zahlreiche kleine Inseln und Felsen – darunter Glazic, Valuec und Guric – aus dem Meer empor und stellen seit jeher eine Gefahr für die Schifffahrt dar. Die heutige Gestalt der Küste wurde darüber hinaus durch maritime Prozesse wie Meeresspiegelschwankungen, Erosion und Ablagerungen weiter geformt.
Schon in der Jungsteinzeit war die Region besiedelt, und noch heute zeugen megalithische Monumente und Spuren gallo-römischer Kultur von den frühen Bewohnern der Küste. Auf dem Hochplateau der Insel wachsen zahlreiche Pflanzenarten, viele davon direkt im sandigen Boden. Weil hier auf intensive Landwirtschaft weitgehend verzichtet wurde, konnte sich eine erstaunlich vielfältige Natur erhalten.
Legt man im Hafen Saint-Gildas an, der seinen Namen dem bretonischen Wandermönch Gildas der Weise verdankt, ist die Rue du Bourg nur noch einen Katzensprung entfernt. Diese Straße gehört zum alten Ortskern des einzigen Dorfes der Insel und führt vom Hafen über einen kleinen ansteigenden Weg hinauf ins „Bourg“, wo sich in engen Gassen traditionelle Fischerhäuser aneinanderreihen.
Die weiß gekalkten Häuser, deren charakteristische blaue Fensterläden die Fassaden schmücken und zur typisch verträumten Stimmung der Insel beitragen, bestehen traditionell überwiegend aus örtlichem Granit. Die Mauern der alten Häuser wurden meist aus grob behauenem Granitstein errichtet und anschließend mit Kalk verputzt. Kalktünche beziehungsweise Kalkfarbe war vom Mittelalter bis weit ins 19. Jahrhundert hinein — in vielen ländlichen Gegenden der Bretagne sogar noch bis ins frühe 20. Jahrhundert — das gebräuchlichste, günstigste und am leichtesten verfügbare Mittel zum Anstrich von Außenwänden an Wohn-, Sakral- und Wirtschaftsgebäuden.
Das Kalken erfüllte dabei nicht nur eine ästhetische Funktion. Die Kalkschicht schützte die Mauern vor Feuchtigkeit und der salzhaltigen Atlantikluft, wirkte aufgrund ihrer alkalischen Eigenschaften desinfizierend gegen Schimmel und Keime und reflektierte zudem das Sonnenlicht, wodurch die engen Gassen heller wirkten. Gleichzeitig konnten die Wände weiterhin „atmen“, da Kalkputz wasserdampfdurchlässig blieb — ein bedeutender Vorteil im feuchten, windreichen Klima der bretonischen Inselwelt.
Auch die Dächer prägen das typische Erscheinungsbild Houats. Viele Häuser sind traditionell mit dunklen Schieferplatten gedeckt, wie sie seit Jahrhunderten in der Bretagne verwendet werden. Der widerstandsfähige bretonische Schiefer eignete sich besonders gut für die rauen klimatischen Bedingungen des Atlantiks. Häufig wurden die schweren Schieferplatten zusätzlich verstärkt oder sorgfältig befestigt, damit die kräftigen Winde und Winterstürme sie nicht von den Dächern lösen konnten. Der Kontrast zwischen den weißen Kalkfassaden und den dunklen Schieferdächern verleiht den Häusern Houats ihren unverwechselbaren maritimen Charakter.
Geologisch gesehen ist Houat eine Granitinsel, deren zerklüftete Küsten von eindrucksvollen Felsformationen und malerischen Klippen geprägt werden. Dort ragen gewaltige Granitblöcke in den Atlantik hinaus, an denen sich bei stürmischer See mächtige Wellen brechen. Besucher erleben hier unmittelbar die raue Kraft der Natur, die seit Jahrhunderten Landschaft, Architektur und Leben der Inselbewohner formt.


Rue du Bourg
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Trotz ihrer abgeschiedenen Lage war die Insel nie völlig isoliert. Generationen von Fischern lebten hier vom Meer, fuhren hinaus auf den Atlantik und kehrten mit Sardinen, Makrelen oder Hummern zurück. Noch heute scheint auf Houat die Zeit langsamer zu vergehen als auf dem Festland. Autos sind selten, viele Wege werden zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, und über allem liegt das stetige Rauschen des Windes und der Brandung. Gerade diese Verbindung aus rauer Natur, traditioneller Architektur und stiller Einfachheit macht den besonderen Zauber Houats aus – einer kleinen bretonischen Insel, die bis heute viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt hat.


Morbihan - houat dorf
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