Schloss Trévarez
Abseits der bekannten touristischen Routen der Bretagne, fern der vielbesuchten Küstenorte und dramatischen Klippenlandschaften, liegt das Schloss von Trévarez im Landesinneren – ruhig, beinahe verborgen in den Hügeln des Finistère.
FRANKREICH
5/8/20244 min lesen


trÉvarez schloß - Rückseite
blick vom weg hinten unten, der am schloß und an üppiger vegetation vorbeiführt
Abseits der beliebteren touristischen Routen der Bretagne, fern der vielbesuchten Küstenorte und dramatischen Klippenlandschaften liegt das Schloss von Trévarez .
Hoch über dem Tal der Aulne inmitten der sanften Hügel der Montagnes Noires erhebt sich das Schloss von Trévarez wie eine stille Erinnerung an den Optimismus der Belle Époque. Mehrfach für seine außergewöhnlichen Sammlungen von Kamelien, Rhododendren und Hortensien ausgezeichnet gilt das Anwesen heute als "Patrimoine du XXe siècle" ("Erbe des 20. Jahrhunderts") und zieht jährlich Touristen aus ganz Frankreich, Europa und der ganzen Welt, die sich auf weniger befahrene Wege abseits des lärmenden Tourismus der vielbesuchten Küstenworte wagen.
Im Landesinneren des Finistère weit entfernt von der Betriebsamkeit der Städte liegt das Schloss eingebettet in eine ausgedehnte 85 Hektar große Parklandschaft, deren Farben und Formen sich im Lauf der Jahreszeiten immer wieder neu erfinden. Trévarez ist kein prunkvolles Märchenschloss, sondern ein Ort des Übergangs.
Das Anwesen von Trévarez – Ein bretonischer Traum aus Stein, Technik und Landschaft
Kahle Eiche am Weg hinterm schloß
schöner regenbogen ziert den himmel, eine häufige erscheinung am himmel der bretagne


seitliche ansicht des schlosses. fischblasen durchbrechen das geländer.


Die Geschichte von Trévarez blieb nicht von den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verschont. Während der Weltkriege erlitt das Anwesen schwere Schäden, und lange Zeit schien seine Zukunft ungewiss. Erst durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten konnte das Schloss bewahrt und neu belebt werden. Heute ist Trévarez ein öffentlicher Kulturort, der Vergangenheit nicht museal einfriert, sondern sie in Ausstellungen und Veranstaltungen immer wieder neu interpretiert.
Ein Besuch in Trévarez ist daher mehr als ein klassischer Schlossrundgang. Es ist eine Einladung, über den Fortschrittsglauben einer Epoche nachzudenken, über die Beziehung zwischen Architektur und Natur – und über die Frage, wie Orte ihre Geschichte bewahren, ohne dabei stehen zu bleiben. Gerade in seiner stillen Zurückhaltung entfaltet das Anwesen eine nachhaltige Wirkung, die lange nach dem Verlassen des Parks nachhallt.
Mehr Informationen könnt ihr auf der Webseite des Département Finistère finden.


Das Schloss und die dazu gehörende Anlagen verkörpern den Traum eines Mannes: James de Kerjégu.
Errichtet am Ende des 19. Jahrhunderts, war das Schloss von Beginn an Ausdruck eines außergewöhnlichen persönlichen und politischen Anspruchs. In Auftrag gegeben wurde es von James de Kerjégu (1846–1908), einem einflussreichen Politiker der Dritten Französischen Republik und Präsidenten des Generalrats des Finistère. Mit Trévarez wollte er nicht nur einen repräsentativen Wohnsitz schaffen, sondern auch ein Anwesen, das seinen Fortschrittsglauben und seine Offenheit gegenüber technischen Neuerungen widerspiegelte.
Sein Bauherr ließ daher ein technisch hochmodernes Schloss errichten, das die Gemütlichkeit seiner Zeit weit übertraf. Elektrisches Licht, Zentralheizung und ausgeklügelte sanitäre Anlagen gehörten zu einer Ausstattung, die damals selbst in großen Städten keineswegs selbstverständlich war. Trévarez war damit weniger ein nostalgischer Rückgriff auf vergangene Stile als vielmehr ein Experimentierfeld für die Zukunft des Wohnens.
Architektonisch verbindet das Schloss historische Formen mit einer klaren, funktionalen Planung. Die markante Verwendung von rotem Backstein und grauem Granit verleiht dem Bau eine kraftvolle Wirkung, die sich deutlich von der umgebenden Landschaft abhebt und zugleich harmonisch in sie einfügt. Im Inneren spiegeln großzügige Räume, klare Blickachsen und eine sorgfältige Dekoration den Wunsch wider, Repräsentation und Alltag miteinander zu versöhnen.
Besonders eindrucksvoll ist der Park von Trévarez, der das Schloss nicht nur umgibt, sondern bewusst inszeniert. Auf mehreren Ebenen angelegt, eröffnet er immer neue Perspektiven auf das Gebäude und die umliegende Landschaft. Botanisch zählt er zu den bedeutendsten Anlagen der Bretagne. Kamelien und Rhododendren prägen das Bild und sorgen vor allem im Winter und Frühjahr für ein überraschend intensives Farbenspiel. Der Park ist kein statisches Kunstwerk, sondern ein lebendiger Organismus, der sich stetig verändert.
Ein Ort zwischen Tradition und Moderne, Repräsentation und Rückzug
Schicksalsschläge
Bilder
Bilder von meinem Besuch auf dem Trévarez-Anwesen.


Kapelle im hintergrund


Aussichtsterrasse (Belvedere)


wespe an blüte





